WOLFGANG SCHILD

RECHTSANWALT

Anhörung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Das Bundesamt hat Sie, bevor es über Ihren Asylantrag entscheidet, zunächst anzuhören.

Viele Asylsuchende (und auch viele Mentoren, die sich ehrenamtlich um Asylsuchende kümmern), sind der Auffassung, dass sie das Asylverfahren (z.B. aus Kostengründen) zunächst einmal selbst betreiben und ohne vorherige Rücksprache mit einem spezialisierten Rechtsanwalt zunächst den Anhörungstermin wahrnehmen können. Sollte das Bundesamt den Asylantrag ablehnen, könne immer noch ein Rechtsanwalt aufgesucht und mit der Klageerhebung beauftragt werden.

Diese Auffassung ist falsch!

Die Anhörung ("Interview") ist eine der wesentlichsten Stationen, wenn nicht gar die wesentlichste Station in Ihrem Asylverfahren. Das Bundesamt gibt Ihnen in der Anhörung gleichsam einmalig die Gelegenheit, Ihre Fluchtgründe mitzuteilen. Sie haben vielleicht die Vorstellung, dass Sie in der Anhörung auf einen Menschen treffen, der Verständnis für Ihre Situation hat (Deutschland, Menschenrechte usw.), der mit Ihnen fühlt und Ihnen hilft, Ihrer Asylantrag zu begründen. Falls ja, verabschieden Sie sich sofort von dieser Vorstellung!

Das Bundesamt ist lediglich verpflichtet, Ihnen Gelegenheit zu geben, Ihre Gründe mitzuteilen und glaubhaft zu machen. Tatsächlich geht es hier nicht um Mitgefühl und/oder Verständnis, sondern um die Lieferung bzw. Erhebung von Daten. Mehr nicht. Sie sind gehalten, Daten in hinreichender Dichte und Qualität zu liefern. Wie Sie das machen, ist Ihre Sache. Der Mitarbeiter des Bundesamtes wird Ihnen nicht mit Verständnis begegnen, sondern Ihre Angaben in Zweifel ziehen (sog. 0-Hypthese: glaubhaft ist zunächst mal nix!).

Ihnen geht nach der Anhörung auf, dass Sie eigentlich keine Ahnung davon haben, welche Voraussetzungen Sie erfüllen müssen, um etwa den Flüchtlingsstatus zu erhalten? Ihnen fällt ein, dass Sie wesentliche Umstände vergessen haben mitzuteilen? Oder Sie erfahren, dass Sie Angaben hätten genauer, detaillierter machen müssen? Dass Sie Angaben so konkret wie möglich hätten machen müssen? Nun - nach der Anhörung kommen solche Erkenntnisse in der Regel zu spät. Was Sie in der Anhörung nicht mitteilen, können Sie später kaum oder gar nicht mehr nachtragen. Warum? Nun, die Gründe liegen in einem Phänomen, das gemeinhin als "gesteigertes Vorbringen" bezeichnet wird. Hinter diesem Begriff steckt die Vorstellung von einem Satz der allgemeinen Lebenserfahrung / Beweiswürdigung, der besagen solll, dass alles, was "wahr" ist, sofort mitgeteilt wird. Spätere Ergänzungen sind hiernach "unwahr", also erfunden, etwa aus verfahrenstaktischen Gründen ergänzt. Diese Vorstellung ignoriert natürlich, dass Sie keine wirkliche, reale Vorstellung haben von den Anforderungen, die an einen Vortrag in der Anhörung gestellt werden. Sie ignoriert, dass Ihnen gar nicht klar ist, dass Sie etwa gerade auch solche Umstände mitteilen müssen, die Ihnen selbstverständlich sind (und die Sie etwa einem Landsmann nicht erzählen würden, weil dem das von selbst klar ist) und sie ignoriert, dass Sie womöglich unter der Illusion leiden, man würde Ihnen mit Mitgefühl und Verständnis ("Deutschland, Menschenrechte", pipapo) begegnen und davon ausgehen, es genüge, die Ihnen gestellten Fragen zu beantworten.  Das hilft Ihnen aber nicht. Es hilft Ihnen auch nicht, dass das "gesteigerte Vorbringen" für eine qualifizierte Beweiswürdigng etwa so geeignet ist wie ein Vorschlaghammer für die Reparatur einer filigranen Damenuhr. Sie laufen das Risiko, dass Ihre Anhörung missglückt entweder weil Sie in der Anhörung nicht detailliert und konkret genug vorgetragen oder weil Sie nach Anhörung mit Ergänzungen gekommen sind und daher gesteigert vorgetragen haben.

Eine frühzeitige qualifizierte anwaltliche Beratung kann nichtl garantieren, dass Sie Ihr Rechtsschutzziel erreichen. Wenn Sie eine solche Garantie suchen, sollten Sie einen Wunderheiler o.ä. aufsuchen. Ein Verzicht auf eine solche anwaltliche Beratung aber kommt einer Garantie, dass Sie Ihr Rechtsschutzziel verfehlen, schon recht nahe.

 

 

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